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Bereits im Jahre 1692 wird in einem Schriftstück im Archiv der Stadt Rüthen ein Lehrer “Theodor Stork” in Drewer erwähnt. Es ist die erste Erwähnung eines namentlich bekannten Lehrers dieser Gegend. Doch bereits vor dieser Zeit soll es ein Schulwesen gegeben haben, wie Dechant H. Kühle in seinen “Bildern aus der Geschichte des Kirchspiels Altenrüthen” schreibt.

Wie mag die damalige Schule ausgesehen haben? Um diese Frage zu beantworten, ist es notwendig, ein wenig die frühere Zeit zu beleuchten: Die Wirren und die Zerstörung des 30-jährigen Krieges (1618-1648) waren sicherlich noch nicht überwunden. Comenius (1593-1670), ein überragender Kopf der Pädagogik dieser Zeit, war noch nicht lange verstorben. Er legte ein geniales Unterrichtsbuch, den “Orbis pictus” vor, das für 100 Jahre das verbreitetste Unterrichtsbuch wurde. Er wurde weit über Deutschland hinaus bekannt. Selbst Goethe dürfte den “Orbis pictus” noch als Kind in den Händen gehalten haben.

Lateinschulen waren in ihrer Blüte

In Deutschland hatten noch die “Lateinschulen” ihre Blüte, die einer allgemeinen Volksbildung entgegenstanden und von Adel, Geistlichkeit und und gehobenem Bürgertum frequentiert wurden. Die Lateinschulen waren ganz auf eine Universitätsausbildung ausgerichtet, vernachlässigten die deutsche Sprache und setzten an ihre Stelle Latein. Sie schufen eine “Bildungsaristokratie”.

Pädagogen wie Comenius waren an der Überwindung dieses Bildungsgedanken interessiert und strebten eine allumfassende Ausbildung der Kinder an. Neben der oben erwähnten Schulform entstanden überall Küsterschulen oder Kirchenschulen, in denen Küster als Helfer des Pfarrers religiösen Unterricht erteilten. Diese Küsterschulen waren wichtige Vorläufer der “Volksschule”, die sich aber erst im 19. Jahrhundert herausgebildet hat. Überhaupt standen Schule und Kirche in dieser Zeit bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in enger Verbindung.

Drewer hatte wahrscheinlich eine Küsterschule

In diese Zeit hinein fällt also die erste urkundliche Erwähnung eines Lehrers in Drewer. Ein wichtiges Datum, wenn man bedenkt, dass Schulbildung für gewöhnliche Sterbliche zu dieser Zeit mehr oder weniger Zufall war. Bei der “Schule” in Drewer wird es sich mit aller Wahrscheinlichkeit um eine Art Küsterschule gehandelt haben. Der Unterricht war von Ort zu Ort unterschiedlich – abhängig vom Ausbildungsstand des Lehrers (nicht jeder Lehrer konnte lesen und schreiben) und von den äußeren, meistens unzulänglichen Bedingungen wie Schulgebäude (in der Regel die Wohnstube des Lehrers) und Unterrichtsmaterial.

Die Schüler dieser Schulform haben den “Orbus pictus” sicherlich nicht kennengelernt. So schreibt U. Heinemann in “Zur Geschichte des Lehrerseminars in Soest”: “Der Lehrer musste froh sein, wenn das Kind irgendein Buch aus dem Elternhaus mitgebracht hatte, …”

So ist es denn auch verständlich, dass das Schulwesen in Drewer über etwa 100 Jahre im Dunkeln bleibt, dass sich nicht viel geändert hat, wird vielleicht deutlich an den Berichten des Heinrich Honcamp.

[…]

Ab 1800 kann man genauere Aussagen über das Schulwesen in Drewer machen. Sie gehen aus den Aufzeichnungen der Pfarrer Altenrüthens und den Schriftwechseln mit dem Großherzoglich hessischen Schulrath zu Arnsberg hervor.

Industrieschule: Erziehung durch Handarbeit

Damals machte man den Versuch, die Einkünfte der Schulen zu erhöhen, indem man neben dem Unterricht die Schüler mit der Herstellung kleiner Geräte, Züchtung von Bäumen und Handarbeiten beschäftigte. Diese Bestrebungen flossen auch in die Pädagogik der damaligen Zeit ein. Man nannte diese Schulform Industrie- oder Arbeitsschule, wobei man die Menschenbildung mit dem wichtigen Gedanken einer Erziehung durch Handarbeit verband.

Die örtlichen Industrieschulen hatten wohl einen recht praktischen Hintergrund: Die von den Schülern hergestellten Dinge wurden verkauft und die Einnahmen auf das Schulgeld angerechnet. Viele Eltern waren nicht in der Lage, das Schulgeld aufzubringen. Auch wurde die Schule während der Sommermonate nur von etwa 10 Prozent der Schüler besucht, weil die meisten zu Hause helfen mussten.

1803 berichtet der Pfarrer von Kallenhardt, dass sich die Schulsituation sehr verbessert hat, weil Pfarrer Sauer in Rüthen Vorbereitungskurse für Lehrer eingerichtet hatte. Und nicht ohne Stolz berichten die Ortsgeistlichen über die Leistungen ihrer Schule.

Schulgebäude seit 1829 bekannt

Auch ist seit 1829 von Drewer bekannt, dass der Ort ein Schulgebäude besitzt. Von diesem ursprünglichen Schulgebäude ist nichts mehr vorhanden (es wurde 1897 abgerissen). 1843 wurde bei der Kirche ein neues Schulgebäude gebaut.

Alte Schule an der Kirche – Lehrer Josef Oel mit Familie.

Im Archiv des Generalvikariats Paderborn gibt es aus dem Jahre folgenden Eintrag, der eine weitere Erhellung der Schulsituation in Drewer gibt:

Generalvikariat Paderborn, Archiv Altenrüthen, Band 1, S. 263
1823
Drewer 1/2 Stunde vom Pfarrort 44 Feuerstellen 289 Pfarrgenossen
Seite 265 und 66
3. Juni 1823, Pfarrer Schulte
Die Gemeinde Drewer hat eine Schulstelle,
26 schulpflichtige Jungen und 22 schulpflichtige Mädchen.
Für jedes Kind zahlt man jährlich 18 1/2 Silbergroschen Schulgeld,
Eigengeldeinnahme 6 Rthl. 4 Sgr.,
6 Scheffel Gerste = 5 Rthl. 6 Sgr., die Schulstelle hat 4 3/4 Morgen Ackerland, 3/4 Morgen Wiese, 3/4 Morgen Garten = 11 Rthl. 3 Sgr.
freie Hude für 1 Kuh und 1 Schwein = 20 Sgr.
Jährliches Einkommen insges. 48 Rthl. 1 Sgr.
(Rthl. = Reichstaler; Sgr. = Silbergroschen)
Name des Lehrers Theodor Rustige

S. 270
Lebensbeschreibung des Lehrers zu Drewer, Pfarrei Altenrüthen
Name: Theodor Wilhelm Rustige
Geburtsort: Effeln Amts Altenrüthen
Geburtstag: 1798 den 6ten April
Gegenwärtig angestellt zu Drewer
Ich habe in den Jahren 1813 und 1814 den Normalkursen zu Arnsberg beigewohnt um mich dort zu meinem Amte auszubilden worüber ich Zeugnisse erhalten habe.
Im November 1816 wurde ich gemäß Rescript Königl. Regierung als Lehrer zu Drewer provisorisch angestellt welchen Posten ich nun im 7ten Jahre versehe.
Drewer, den 16. Mai 1823          Rustige, Lehrer

Das preußische Schulaufsichtsgesetz von 1872 hebt zwar die ‘geistliche Schulaufsicht’ (Betreuung von Geistlichen mit dem Schulratsamt) noch nicht grundsätzlich auf, schafft aber die automatische Koppelung ab und betont die gesonderte Befugnis des Staates auf diesem Gebiet.
(Dechant H. Kühle, Bilder aus der Geschichte des Kirchspiels Altenrüthen)

Die enge Koppelung von Schule und Kirche löste sich nun allmählich, doch belegen Unterschriften der Ortspfarrer als Schulinspektoren auf Abgangszeugnissen im Jahre 1902 noch eine kirchliche Bindung. Unbestritten bleibt auch das Verdienst der Kirche um die Bildung breiter Bevölkerungsschichten, noch bevor der Staat ihre Notwendigkeit sah.

Staatlicher Einfluss auf Schule zeigt sich an Kaisers Geburtstag

Mit Beginn des mehr staatlichen Einflusses auf die Schule erzählt die Schulchronik auch immer wieder von den Feiern zu Kaisers Geburtstag oder zum Sedantag. Zahlreiche Programme sind in der Chronik verewigt. Hier als Beispiel der Ablauf zu Kaisers Geburtstag am 27. Januar 1913.

  1. Gebet
  2. Ansprache mit Kaiserhoch
  3. Lied: Heil dir im Siegerkranz
  4. Gedichte:
    a) Dem Kaiser Heil!
    b) Der deutsche Knabe
  5. Lied: Der Kaiser ist ein lieber Mann
  6. Gedichte:
    a) Der Kaiserin Heil!
    b) Das deutsche Mädchen
  7. “Ich bin Preuße”
  8. Gedichte:
    a) Des Hohenzollern Liebestat
    b) Zwei Blümelein für den Kaiser
  9. Das Lied vom Feldmarschall

Wer hätte gedacht, dass Gleichberechtigung der Geschlechter sich schon damals so ausgeprägt darstellte!

Aber auch von den immer wieder epedemieartig auftretenden schweren Kinderkrankheiten erzählt die Chronik. Ein Beispiel: Im Mai 1884  erkrankten von den 74 Schulkindern alle bis auf zwei an Masern. “Die Krankheit trat sehr bösartig auf”, erzählt die Chronik, ein Kind, Anna Kahr, starb sogar daran. Wieder und wieder musste die Schule zeitweilig geschlossen werden aufgrund von “bösartigem Fieber, Halsleiden, Scharlachfieber, Influenza, Typhus”.

Weitere große Themen, die die Chronik anspricht, sind bemerkenswerte Ereignisse aus dem Gemeinde- und Schulleben während der Weltkriege, sowohl das wirtschaftliche wie das religiöse Leben betreffend, Verzeichnisse über gefallene und heimgekehrte Soldaten aus dem 1. und 2. Weltkrieg, das Flüchtlingsproblem nach dem 2. Weltkrieg, soweit es Drewer betrifft, sowie Feldpostbriefe und Leistungen der Schüler bei sportlichen Wettkämpfen, auch ein fast vollständiges Verzeichnis der Lehrer in Drewer seit 1692.

Relief an der “Alten Schule”, dem späteren Hubertushaus.

Schulgebäude an der Kirche bald zu klein

Über die Schulgebäude wird ausführlich berichtet. Das Gebäude an der Kirche erhielt einen großen Kassenraum und Wohn- und Wirtschaftsgebäude, die schon bald zu klein waren. Deshalb wurde 1897 an der Ostseite angebaut. Nach dem 1. Weltkrieg wurde wiederum umgebaut und der Klassenraum auf die Ostseite des Gebäudes verlegt. Die Schule wurde immer noch einklassig geführt, obwohl sie zur Jahrhundertwende bereits von 111 Schülern besucht wurde.

Seit 1927 wurde die Schule dann zweiklassig mit Schichtunterricht (dazu erhielt sie eine Lehrerinstelle). Und 1938 zogen 112 Schüler in ein neues Gebäude an der damaligen Kreisstraße (heute Drewerstraße), wo sie in zwei Klassenräumen unterrichtet wurden. Diese “neue” Schule besaß auch ein Lehrerzimmer und einen Badekeller.

Schule, erbaut 1938.

Neue Schule an der Kreisstraße war zweiklassig

1965 wurde dann der Erweiterungsumbau eingeweiht. Die Schule beherbergte nun 3 Klassenräume, ein Gruppenzimmer, eine Pausenhalle, Lehrer- und Lehrmittelzimmer, sowie Räume, die als Werkraum und Schulküche vorgesehen waren, und zeitgemäße Toilettenräume.

Die Schule wurde zu diesem Zeitpunkt immer noch zweiklassig geführt bis am 1. August 1969 durch die Errichtung von Grund- und Hauptschule die Oberklasse (Jahrgang 5-8) zur Hauptschule nach Rüthen geschickt wurde und die Jahrgänge 1-4 aus Effeln, Altenrüthen, Menzel und Drewer gemeinsam im Schulgebäude in Drewer unterrichtet wurden. 5 Jahrgangsklassen bildete man, die von 3 Lehrpersonen und einer Abordnung (Frau Radin mit 14 Wochenstunden) unterrichtet wurden. 1972 mussten sieben Klassen gebildet werden.

Die Grundschule in Drewer im Jahr 2005.

Durch kommunale Neuordnung sanken die Schülerzahlen

1974 wurden 8 Jahrgangsklassen von 6 Lehrern unterrichtet. Die Schule war nun 2-zügig von Klasse 1-4. Ein weiterer Klassenraum war auf Grund der Schülerzahlen unbedingt erforderlich. Er konnte gegen Ende des Jahres 1974 bezogen werden.

Am 1. Januar 1975 erfolgte die kommunale Neuordnung. Die Gemeinden Drewer, Menzel, Altenrüthen wurden Ortsteile der Stadt Rüthen, die Gemeinde Effeln fiel an die Großgemeinde Anröchte. Deshalb wurden ab 1. August 1975 die Effelner Lernanfänger in Anröchte eingeschult. Dadurch sanken in Drewer die Schülerzahlen und die 6. Planstelle ging zum 1. August 1976 verloren.

Mit diesen äußeren Veränderungen der Schule Drewer ging aber auch ein vielleicht noch größerer innerer Wandel seit den 60er Jahren einher. Hier nur einige Stichworte: Errichtung von Jahrgangsklassen, Aufteilung der alten Volksschule in Grund- und Hauptschule, Einrichtung einer Mittelpunktschule für die Orte Effeln, Menzel, Altenrüthen und Drewer in Drewer und nicht zuletzt die Grundschulreform von 1972, die sich in den neuerstellten Richtlinien für den Unterricht niederschlug.

von Madgalene Berghoff,
in: “250 Jahre St. Hubertus-Kirche Drewer” (1987)

Schule schloss 2006

“26 Jahre nach Errichtung des bisher genutzten zweiklassigen Schulgebäudes sieht sich die Gemeinde Drewer wegen der ständig wachsenden Schulkinderzahl genötigt, ein neues Schulgebäude zu errichten.” So steht es auf der Urkunde, die 1964 dem Grundstein des Erweiterungsbaus der Grundschule an der Drewerstraße beigelegt wurde. 42 Jahre später fehlte der Nachwuchs und die St.-Hubertus-Grundschule Drewer schloss für immer ihre Pforten. Damit endete nach fast 350 Jahren die Schultradition in Drewer.

Die St-Hubertus-Grundschule Drewer in ihrem letzten Jahr: 39 Schüler und ihre beiden Lehrerinnen Magdalene Berghoff (hinten l.) und Karin Scheithauer (hinten r.) besuchten sie 2005/06.

23 Viertklässler verließen die Einrichtung ohnehin, 16 Erst-, Zweit- und Drittklässler fingen nach den Ferien in der Nikolaus-Grundschule in Drewer an. Gleiches galt für die Lehrerinnen: Magdalene Berghoff wechselte nach über 33 Jahren, Karin Scheithauer, kommissarische Leiterin der Schule, unterrichtete zwölf Jahre in Drewer. Seitdem gehen alle Dreweraner Kinder zur Nikolausschule.

 

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