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Die Tiere gelten als mütterlich, wachsam und verantwortungsbewusst, aber andererseits auch oft als eitel, dumm oder verräterisch: Gänse werden hierzulande nicht ausschließlich mit positiven, sondern auch mit negativen Eigenschaften verknüpft. Dass die Gans in Drewer zum Wappentier wurde, liegt eigentlich viel mehr am Hirten, der sich um sie kümmert.

Der Gänsehirt, das Schnatterblatt, die Gans im Karneval: Drewers Wappentier zieht sich wie ein roter Faden durchs Dorf.

Das geht nämlich zurück auf das Bild des Hirtenjungen mit Flöte, Weidenzweig und einer neunköpfigen Gänseschar, das der damalige Lehrer Josef Oel vor 100 Jahren an der Schule in Drewer anbringen ließ. Aus diesem Motiv wurde schnell ein echtes Dreweraner Wappentier.

Josef Oel engagierte sich in Drewer für den Erhalt der plattdeutschen Sprache und versah die Szene, die für den damaligen Alltag typisch war, weil Kinder ganz selbstverständlich auf den Höfen mithalfen, mit der Inschrift „Biu me des Goise wient, säo gott se“. Übersetzt heißt das: „Wie man die Gänse führt, so gehen sie.“

Hirtenjunge und Gänseschar wurden zu Dreweraner Symbolfiguren

Das zeigt: Vor allem wegweisende Erziehung und konstruktive Lehre, die der Weidezweig symbolisieren soll, und motivierendes Verhalten – das Flötenspiel – prägen das Wesen, Denken und Verhalten der Menschen.

Der zeichnerische Entwurf stammt vom Rüthener Hauptschullehrer Heinrich Rosemann, die Ausführung in Rüthener Sandstein vom Rüthener Steinmetz Franz Eickhoff. Weil das Relief und die Leitdevise im Volksmund rasch überregional an Bekanntheit gewannen, wurden der Hütejunge und die Gänseschar zu Dreweraner Symbolfiguren.

Die Schule zog 1938 an die Drewerstraße und wurde 2006 geschlossen, das Gebäude wurde erst zum Kindergarten und 1955 an die Kirchengemeinde abgetreten, das Relief aber blieb.

Schnattergänse gibt es auch seit 1984 auch im Karneval

Als sich 1984 der Karnevalsverein Drewer (KVD) gründete, nahm auch er die Gans als Figur auf: Das Wappen und die Kappen zierte ein Gänsekopf, die Karnevalszeitung heißt „Schnatterblatt“ – schließlich schnattert so eine Gans auch ständig – und in einem Dreweraner Karnevalslied heißt es: “Eieiei, der Gantak ist wech.”

Auch als 2010 aus KVD und Juka die Dreweraner Karnevalsgemeinschaft (DKG) wurde, blieben die Gans und das Schnatterblatt erhalten. Als das Hubertushaus, so hieß das Gebäude später, 2014 abgerissen wurde, wollten sich die Dreweraner von dem Relief nicht trennen. Also wurde es, gesponsort von Josef Köhne, in ein Mauerstück eingelassen und erinnert heute an das Hubertushaus und seine Geschichte, aber auch an den Ursprung des Wappentiers.

Dreweraner Gänsemotiv in Rüthener Grundschule

Seit 2019 trägt die Ehrenamtskneipe unten in der Schützenhalle ebenfalls die Gans im Namen: In der „Gänsewirtschaft“ sorgen ganz viele „Gänsewirte“ für volle Gläser und einen fröhlichen Abend. Ihren Namen hat die Kneipe von Ortsvorsteher Bernd Cordes bekommen.

Auch im Lehrerzimmer der Nikolaus-Schule in Rüthen hängt das Gänsemotiv: Als die Dreweraner Grundschulkinder ab 2006 dorthin gingen, zog die originalgetreue Eichenholz-Replik des Gänsehirten-Reliefs mit um.

„Diese soll den zeitigen wie künftigen Lehrerinnen und Lehrern zur nachhaltigen pädagogischen Ermahnung, erzieherischen Motivation und individuellen Inspiration für den täglichen Unterricht – nicht nur der Dreweraner Schülerinnen und Schüler – in Rüthen dienen“, heißt es aus dem Rüthener Stadtarchiv.

Echte Gänse allerdings, die gibt es in Drewer gar nicht. Geschnattert wird in dem kleinen Dorf aber trotzdem.

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