Ein Leben im Dienst der Ärmsten: Gedenkmesse für Schwester Julia
Sie hat Brunnen gebaut, Kinder ernährt und Familien ersetzt: Schwester Julia Lenze widmete ihr Leben den Schwächsten in Simbabwe. Am 14. Dezember ist sie dort im Alter von 90 Jahren gestorben und beerdigt worden. In Drewer, ihrer Heimat, wird ihrer am Sonntag, 25. Januar, um 11 Uhr mit einer Heiligen Messe in der St.-Hubertus-Kirche gedacht.
Am 9. Mai 1935 erblickte Schwester Julia in Drewer als Margret Lenze das Licht der Welt. Mit ihren vier Geschwistern wuchs sie in einer durch und durch katholisch geprägten Familie auf, die sie voller Stolz ins ferne Bayern ziehen ließ, als sie sich für einen Eintritt ins Kloster entschied. Im Februar 1953 trat sie in den Orden der Missionsdominikanerinnen Strahlfeld ein. Ihr erstes Gelübde legte sie am 12. September 1955 ab.
Seit 1963 in Afrika
Ihr missionarischer Eifer wurde am 24. September 1958 entfacht, als sie ihr endgültiges Gelübde ablegte und sich dem Dienst an Gott verschrieb. 1963 wurde sie zur Mission in Makumbi entsandt und blieb dort 19 Jahre lang. Dort beschrieb sie sich selbst als „Alleskönnerin“: Sie hatte keine bestimmte Aufgabe, sondern half überall dort, wo sie es für nötig hielt. Von 1984 bis 1985 unterrichtete sie an der St. John’s High School und übernahm die Verantwortung für die Internatsschüler.
1985 wurde sie nach Loreto versetzt. Dort blieb sie bis kurz vor ihrem Tod. Sie fand dort Erfüllung, „indem sie mit so vielen Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen arbeitete, egal welcher Art diese waren“, schreibt Schwester Veronika A. Madziva O.P. in einem Nachruf. Schwester Julia kümmerte sich um unterernährte Kinder, um Waisen, Arme, Behinderte und die, die sonst niemanden hatten. In einem Garten baute sie Gemüse an, um die Kinder zu ernähren, aber auch um Gemüse zu verkaufen. Sie baute Brunnen, bei denen auch Dreweraner halfen, denn ihrer Heimat blieb sie stets verbunden.
Die Missionarin arbeitete hart dafür, dass das Kinderheim Loreto erfolgreich war. Sie bezahlte die Gebühren für die Armen und richtete ein Ernährungsprogramm für arme Kinder in der Loreto-Grundschule ein. Für junge Mädchen eröffnete sie außerdem eine Nähschule. Viele dieser Projekte konnte sie verwirklichen, weil sie es verstand, Menschen in ihrer Heimat für ihre Arbeit zu gewinnen – und diese Verbundenheit trug ihre Projekte über viele Jahre hinweg. Denn die Spendenbereitschaft war stets hoch – teilweise über Jahrzehnte.
Im Rentenalter kein Ruhestand
Als sie das Rentenalter erreichte, trat sie nicht in den Ruhestand: Die politische, wirtschaftliche und soziale Situation in Simbabwe verschlechterte sich gerade am Ende des Jahrtausends rapide. Die Aids-Pandemie raffte eine ganze Generation von Eltern dahin und zerstörte die Familienstrukturen. Schwester Julia trat dem mutig entgegen: Sie sorgte für „ihre Kinder“ und gab die Hoffnung nicht auf.
Zuletzt litt Schwester Julia an Magenkrebs und wurde in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Harare behandelt. „Sie wollte unbedingt nach Loreto zurückkehren, aber nachdem sie den Bericht des Arztes erhalten hatte und sich der Schmerzen bewusst wurde, die sie nun durchlitt, hielt Schwester Julia es für notwendig, in Harare zu bleiben und darauf zu warten, dass der Herr sie zu sich holte“, schreibt Schwester Veronika A. Madziva. Am Sonntag, 14. Dezember, starb sie.
„Schwester Julia hat viele Söhne und Töchter hinterlassen, die sie mit ihren eigenen Händen großgezogen hat“, heißt es in dem Nachruf. „Eine ist Stewardess, andere sind Ärzte und Lehrer. Sie hatte ein großes Herz für die Armen.“ Eines „ihrer“ Kinder habe gesagt: „Schwester Julia hat uns zwei Jahre lang mit einer Liebe großgezogen, die unbeschreiblich war. Obwohl sie nicht unsere leibliche Mutter war, war sie in jeder Hinsicht eine Mutter für uns.“